Ein Klassenunterschied - Schalke gewinnt den DFB-Pokal 11FREUNDE

October 2024 · 4 minute read

Milan Sasic hatte sich für die bequeme Hal­tung ent­schieden. Der Trainer des MSV Duis­burg stand neben seinem Stuhl, lehnte seinen Körper an das Gestänge des Wind-und-Wet­ter­schutzes, die Arme vor der Brust, die Beine über Kreuz geschlagen. Mit erstaun­li­cher Gelas­sen­heit ver­folgte Sasic das DFB-Pokal­fi­nale seiner Mann­schaft gegen den FC Schalke 04. Wozu sich auf­regen über Dinge, die sich ohnehin nicht ändern lassen? Nur knapp zwanzig Minuten durften die Duis­burger von einer Sen­sa­tion träumen, dann been­dete Julian Draxler mit einem wun­der­baren Tor alle Hoff­nungen des MSV. Am Ende eines ein­sei­tigen Finales stand ein unge­fähr­deter 5:0 (3:0)-Sieg für den Favo­riten.

Die Schalker sicherten sich damit, neun Jahre nach ihrem vor­erst letzten Tri­umph, zum fünften Mal den DFB-Pokal. Für den FC Schalke 04 fand die Saison einen ver­söhn­li­chen, einen fest­li­chen Abschluss. Schalkes Klub­ma­nager Horst Heldt sagte: Wir freuen uns unheim­lich. Wie haben nach einer Saison mit allen Höhen und Tiefen noch einmal alles gegeben. Mit einem Titel auf­zu­hören ist sehr, sehr gut.“

Baljak machte mit seinen Krü­cken die Welle

Unter­schied­li­cher hätten die Vor­aus­set­zungen kaum sein können. Wäh­rend der Bun­des­li­gist alle rele­vanten Spieler zur Ver­fü­gung hatte, musste der MSV etliche Stamm­kräfte ersetzen. Beim Vor­pro­gramm standen die ver­letzten und gesperrten Duis­burger Spieler vor ihrer Fan­kurve. Srdjan Baljak machte mit seinen Krü­cken die Welle – besser hätte man die Misere des MSV nicht illus­trieren können. Immerhin waren Kapitän Ivica Grlic und Innen­ver­tei­diger Ben­jamin Kern wieder so weit her­ge­stellt, dass sie von Anfang an spielen konnten, Mit­tel­stürmer Stefan Mai­er­hofer saß immerhin auf der Bank.

Schalkes Trainer Ralf Rang­nick hatte etwas über­ra­schend den erst 17 Jahre alten Julian Draxler für Atsuto Uchida von Beginn an auf­ge­boten – und damit alles richtig gemacht. Nach einer fah­rigen Anfangs­phase gelang dem Mit­tel­feld­spieler die erste ansehn­liche Aktion des Spiels. Nach einem Zuspiel von Jef­ferson Farfan nahm Draxler den Ball an der Straf­raum­grenze mit links an und setzte ihn mit rechts volley ins Duis­burger Tor.

Wenig Mühe für Manuel Neuer

Im Grunde war das Finale damit schon ent­schieden und der Plan des MSV hin­fällig, mög­lichst lange das 0:0 zu halten und dann mit einem gol­denen Konter viel­leicht den ent­schei­denden Schlag zu setzen. Die Duis­burger Fans, ohnehin in der Unter­zahl, brauchten eine gewisse Zeit, um sich auf die neue Situa­tion ein­zu­stellen. Als sie sich wieder gesam­melt hatten, stand es bereits 2:0. Nur vier Minuten nach der Schalker Füh­rung reagierte Klaas-Jan Hun­telaar schneller als sein Gegen­spieler und lenkte eine Her­ein­gabe von Farfan an Yell­dell vorbei ins Tor.Erst am Ende der ersten Halb­zeit fanden die Duis­burger etwas besser ins Spiel. Olcay Sahan hatte die erste Chance für den Zweit­li­gisten. Sein Schuss ging jedoch über das Tor. Eine Minute später musste auch Manuel Neuer erst­mals ein­greifen. Der Dreh­schuss von Manuel Schäffler berei­tete ihm jedoch keine Mühe. Kurz darauf hätte es für Schalkes Tor­hüter schon kniff­liger werden können. Nach einer miss­glückten Abseits­falle lief Sefa Yilmaz alleine auf sein Tor zu, der frü­here Ber­liner Tennis Borusse aber bekam den Ball nicht schnell genug unter Kon­trolle und ver­tän­delte die Gele­gen­heit zum 1:2.

Für Schalkes Tor­hüter war es alles in allem ein recht ent­spannter Abend, trotzdem wird dieses Finale für Neuer ver­mut­lich immer ein beson­deres bleiben. Aller Wahr­schein­lich­keit ist es das letzte gewesen, dass er nach 20 Jahren Ver­eins­zu­ge­hö­rig­keit für Schalke bestritten hat. In Kürze wird der Natio­nal­spieler wohl seinen Wechsel zum FC Bayern bekannt gegeben. Die ersten Inter­views nach dem Pokal­sieg wollte er noch nicht für die Bekannt­gabe seiner Ent­schei­dung nutzen, er sagte nach dem Spiel nur: Ich genieße jetzt erst einmal den Abend, alles wei­tere wird man sehen.“

Warum stürmte Neuer nach jedem Tor zu Ersatz­bank?

Dass es für Neuer kein all­täg­li­cher Transfer ist, konnte sich jeder vor­stellen. Am Samstag kos­tete er noch einmal jeden Moment aus – als Teil der großen Schalker Familie. Nach jedem Tor stürmte er Rich­tung Schalker Bank, um nicht alleine feiern zu müssen. Gele­gen­heiten dazu gab es genug. Noch vor der Pause traf Bene­dikt Höwedes zum 3:0. Nach einer Ecke von Farfan war er mit dem Kopf vor MSV-Tor­hüter David Yell­dell am Ball.

Ange­sichts dieses Pau­sen­stands wurde die zweite Halb­zeit für die Schalker erst recht zum Schau­laufen. Die Duis­burger ver­suchten es nun wenigs­tens mit dem Mut der Ver­zweif­lung und beschränkten sich in der Defen­sive auf das Nötigste. Ent­spre­chend groß waren die Lücken in ihrer Abwehr. Bei seinem Tor zum 4:0 stand Jose Manuel Jurado völlig frei, das 5:0 von Hun­telaar begüns­tigte Goran Sukalo durch einen Ball­ver­lust im eigenen Straf­raum. Es war ein his­to­ri­sches Tor. Mit diesem Treffer hatten die Schalker einen Rekord ein­ge­stellt, den sie selbst halten. 1972 hatten sie im DFB-Pokal­fi­nale 5:0 gegen Kai­sers­lau­tern gewonnen. Es war der höchste End­spiel­sieg in diesem Wett­be­werb. Diesen Rekord halten die Schalker nun gleich zweimal.

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